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Schüler der Stephanusschule aus Jülich bereiten eine Gedenkfeier zur Progromnacht in der Aachener Synagoge vor.

Die Stephanusschüler besuchten in Vorbereitung auf die Gedenkfeier die Aachener Synagoge und nahmen Platz in dem jüdischen Gotteshaus.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 44/2012

Den Hass überwinden

Stephanusschüler bereiten Gedenkfeier zur Pogromnacht vor

„Wir sind mit der Firmgruppe unfreiwillig in die Verlängerung gegangen“, sagte Lehrerin Monika Müller schmunzelnd. Die 25 Firmanden der Stephanus-Schule für geistig Behinderte des Kreises Düren bereiten ihren Beitrag für die Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht in Jülich vor

Angenommen werden und mit der Behinderung Wertschätzung erfahren – das waren schon Themen, mit denen sich die Jugendlichen auf ihrem Weg zur Firmung an ihrer Schule in Selgersdorf beschäftigt hatten. „Wo die Menschen sich verbünden, den Hass überwinden, und neu begegnen, da berühren sich Himmel und Erde“ sangen sie zur Festmesse und werden es wohl auch am 8. November im Dietrich-Bonhoeffer-Haus in Jülich tun. Dann werden sie auf Einladung der Jülicher Gesellschaft gegen das Vergessen und für die Tole- ranz e. V. sowie den katholischen und evangelischen Gemeinden Jülichs am Gedenkabend ihren Beitrag leisten.

Alljährlich wird eine Schule eingeladen, die Feier mit vorzubereiten. Gerade die Stephanusschüler betrifft die Vergangenheit des Nazi-Terrors. Behinderte wurden von Hitler und seinen Helfern als minderwertig, ja meist sogar nicht lebenswert erachtet. Das ist einigen Schülern durchaus bewusst. „Man darf nicht unterschätzen, was die Jugendlichen schon von ihren Großeltern erzählt bekommen haben“, betont Pädagoge Bernhard Müller. Gemeinsam mit seiner Frau Monika sowie den Kolleginnen Sandra Bußmann und Annemie Arnold bildet er die Fach- konferenz, die sich an der Stephanusschule mit Trauer, Tod und Abschied beschäftigt. „Wir wollen Themen nicht tabuisieren, sondern sie mit jedem Schüler seinen Fähigkeiten entsprechend angehen“, erklärt Bernhard Müller. Dazu gehört, dass die Jugendlichen nicht nur mit ihrem katholischen Glauben bekannt gemacht werden – vor der Firmung trafen sie den Bischof in Aachen –, sondern auch mit dem jüdischen. Der Besuch in der Aachener Synagoge war hierzu sehr eindrucksvoll.

 

Für den Beginn einer neuen Wirklichkeit

Dem zentralen Thema der Verfolgung, der Überwindung von Grenzen und Hass nähern sich die Firmlinge durch den Film „Der Junge im gestreiften Pyjama“, der von der Kinder-Freundschaft eines jüdischen KZ-Insassen mit dem Sohn eines SS-Aufsehers handelt. Viel Zeit geben die Lehrer sich und den Jugendlichen für diesen Teil der Vorbereitung. Erst nach diesem Abschluss wird entschieden, wie das genaue Abendprogramm aussehen wird. Ganz vorne auf der Möglichkeitsliste für den 8. November steht aber das Lied: „Wenn einer alleine träumt, ist es nur ein Traum. Wenn viele gemeinsam träumen, so ist das der Beginn einer neuen Wirklichkeit.“


Von Dorothée  Schenk

Veröffentlicht am 01.11.2012

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