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Ludwig Förster erlebte Kirchenwiederaufbau nach dem Krieg in der Eifel

In seiner Werkstatt arbeitet Ludwig Förster, der im Februar 94 Jahre alt wird, auch heute noch.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 03/2016

Den Sprengmeistern Likör serviert

Zeitzeuge Ludwig Förster erinnert sich an die Zeit des Kirchenwiederaufbaus nach dem Krieg

Im Oktober vergangenen Jahres war das Gießen einer neuen Glocke für die Marienkapelle in Simonskall ein echtes Ereignis, das viele Interessierte mitverfolgten. Unter den Zuschauern war auch Ludwig Förster aus Simmerath-Lammersdorf.

Das handwerkliche Schauspiel weckte bei dem fast 94-Jährigen ganz besondere Erinnerungen. „Als ich das Buntmetall in die Glockenform fließen sah, dachte ich an die Buntmetallsammlung der Nazis in Lammersdorf“, erzählt er. Denn so, wie die Glocke der Simonskaller Marienkapelle am Ende des Zweiten Weltkrieges von den Nazis eingeschmolzen wurde, erließen sie auch in Lammersdorf zur gleichen Zeit den Befehl, alle Gegenstände aus Messing und Kupfer für Rüstungszwecke abzugeben.

 

Schuppen bis unter die Decke mit Ausstattungsstücken aus Metall vollgestopft

„Natürlich wurden auch die Kirchen gezwungen, ihre Ausstattungsstücke zur Verfügung zu stellen“, erinnert sich Ludwig Förster. Doch entweder kamen die Nazis nicht mehr dazu, ihre Metallsammlung abzutransportieren. Oder aber die zuständigen Pastöre und Kirchenvorstände hatten den Mut, das kirchliche Gut zu verstecken. Denn als sich Ludwig Förster nach seiner Heimkehr aus russischer Kriegsgefangenschaft im November 1945 auf Bitten des damaligen Pfarrers Peter Schall an der Reparatur der Kirche beteiligte, fand er auf seiner Suche nach Material und Werkzeug in einem bis unter die Decke vollgestopften Schuppen hinter dem Pastorat Kronleuchter, Kerzenständer, Weihrauchfässer, Kelche, Monstranzen, Prozessionslämpchen, Kreuze und Weihwasserkessel.

„An vielen Teilen fand ich Zettel, auf denen stand, aus welcher Pfarrei die Stücke stammten“, berichtet Förster. Gemeinsam mit anderen Männern aus dem Dorf machte er sich daran, die Kirche instandzusetzen. Stromkabel für die Erneuerung der zerstörten Elektroleitung in der Kirche war nicht zu bekommen. Stattdessen verlegten die Männer vom Schaltschrank in der Sakristei hunderte Meter des Nachrichtenkabels der Amerikaner, um die Kirche inklusive der Beichtstühle und die Kapellen mit Strom zu versorgen. Zum krönenden Abschluss wurden die beiden von Ludwig Förster in penibler Kleinarbeit reparierten Leuchter aufgehängt. Der dritte und größte blieb trotz Suchanzeigen in den Lokalzeitungen verschollen.

 

Zweimal mit Klosterlikör die Kirche gerettet

Bei ihren Arbeiten stärkte Pastor Schall die Männer mit Mariawalder Klosterlikör, den er in großen Mengen in seinem Garten vergraben hatte. Zweimal half der Kräuterschnaps dem Pfarrer, die Sprengung der Lammersdorfer Pfarrkirche zu verhindern. Einmal waren es die deutschen Offiziere, die auf ihrem Rückzug das Gotteshaus zerstören wollten, ein anderes Mal die amerikanischen Soldaten. Jeweils zu den streng festgelegten Sprengzeiten spendierte er großzügig das geistige Getränk. „Das Gelage der Amerikaner endete darin, dass sie die Orgel auseinandernahmen, die Orgelpfeifen als Blasinstrumente benutzten und wie eine Kapelle durch die Kirche marschierten“, erzählt Ludwig Förster.


Von Renate Hotse

Veröffentlicht am 13.01.2016

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