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Der Pilgerweg für ein gutes Klima machte Station in der Braunkohleregion um Inden

Den Indener Tagebau erklärte Hans Stenzel den Etappenteilnehmern.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 46/2015

Hohen Preis für Kohle gezahlt

Der ökumenische Pilgerweg für Klimagerechtigkeit legt ein Etappenziel am Indener Tagebau ein

Eine Erholungsreise sei dies nicht, betonten Teilnehmer des ökumenischen Pilgerwegs für Klimagerechtigkeit. Als sehr anstrengend, aber auch sehr informativ erweise sich der Weg, der bis zum 28. November von Flensburg über Trier zur UN-Klimakonferenz in Paris führt.

Spirituelle Besinnung mit politischem Engagement möchte der Pilgerweg verbinden, den ein ökumenisches Bündnis aus Landeskirchen, Diözesen, christlichen Entwicklungsdiensten, Missionswerken und (Jugend-)Verbänden vorbereitet hat.

 

Blickpunkt auf zweite Enzyklika

Hierbei gerät auch die zweite Enzyklika „Laudato si’“ („Gelobet seist du“) von Papst Franziskus in den besonderen Blickpunkt. „Wir wissen, dass die Technologie, die auf der sehr umweltschädlichen Verbrennung von fossilem Kraftstoff – vor allem der Kohle, aber auch von Erdöl und, in geringerem Maße, Gas – beruht, fortschreitend und unverzüglich ersetzt werden muss“, beginnt zum Beispiel der Passus 165. Kein Wunder, dass sich der Verein zur Förderung Kirchlicher Umweltberatung (FKU), der evangelische Kirchenkreis Jülich sowie die Projektorganisation Regionale Ölpflanzennutzung (P.R.O. e.V.) aus Eschweiler davon angesprochen fühlten. Sie richteten auf der siebten Etappe, die von Wuppertal nach Remagen verläuft, eine Exkursion zum Tagebau Inden mit Abstecher zum Abbaugebiet Garzweiler II ein.

Vor allem die älteren Menschen in der Region verlören bei der durch den Tagebau bedingten Umsiedlung nicht nur Haus und Hof, Dorfgemeinschaft und Vereinsleben, sondern „durch die Summierung dieses Ganzen vor allem ihre Heimat“, unterstrich der FKU-Vorsitzende Reiner Lövenich aus Inden-Lamersdorf beim liturgischen Impuls zu Beginn des Treffens. Dass das Thema durchaus einen ambivalenten Charakter besitzt, verdeutlichte Wolfgang Krosta. Er war 20 Jahre lang evangelischer Pfarrer im umgesiedelten Ort Inden/Altdorf und in Vertretung von Superintendent Jens Sannig vom Kirchenkreis Jülich erschienen: „Wir steckten zwischen den Fronten hier in Inden.“ Denn gleichzeitig bedeutete die Zerstörung der Umwelt auch die Sicherung von Arbeitsplätzen auf Jahre hinaus. Allerdings wäre der Preis, den die Bevölkerung dafür zahlte, hoch. Es sei ein Preis, der weh tut, betonte Daniel Müller Thór, der derzeit die evangelische Pfarrstelle im Ort inne hat. „Tränen habe ich zur Genüge gesehen.“

Wie sehr der Braunkohle- abbau das Gesicht der Region verändert hat, besichtigten die rund 70 Teilnehmer anschließend in zwei Bussen. Informationen dazu lieferten Günter Barten (P.R.O. e.V.) und Reiner Lövenich in dem einen, Hans Stenzel, Mitweltbeauftragter des evangelischen Kirchenkreises Jülich, in dem anderen Gefährt. Dabei erzählte Stenzel, der unter anderem Bergbauingenieurwesen studiert hat, von Problemen im Rahmen des Abbaus: „Wir vernichten neun Zehntel der Mineralien, um ein Zehntel, nämlich die Kohle, zu erhalten.“ Weil im Zuge dessen die übrigen Mineralien nicht getrennt würden, ließe sich der Rest nicht weiter verwenden, sondern würde als Abraum zurückgelassen.

 

Probleme im Zuge des Tagebaus

Die Frage, was hinterher mit den Löchern passiere, sei eine weitere Schwierigkeit. Offenbar erweise es sich als utopisch, sie mit Wasser aufzufüllen, damit sie für künftige Generationen als Seen genutzt werden könnten. „Wir verlieren Wasser, Kultur, Menschen“, lautete ein Fazit, das Stenzel zog, ehe die Reisenden sich zu neuen Zielen aufmachten. Immerhin standen ein Besuch des Abbaugebietes Garzweiler II sowie zu alternativen Möglichkeiten der Energiegewinnung wie dem Energiepark Ameln an. Zur Erholung diente die Pilgerfahrt wahrlich nicht.


Von Arne Schenk

Veröffentlicht am 11.11.2015

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