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Beim Eifeler Frauentag setzten sich Teilnehmerinnen mit dem Islam auseinander

Wie fühlt es sich an mit Kopftuch? Die Teilnehmerinnen des Frauentages probierten es aus.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 41/2015

Können Haare Sünde sein?

Das Kopftuch und seine Wirkung war einer von vielen Aspekten beim 46. Frauentag der Region Eifel

„Wer hätte gedacht, dass unser Thema heute aktueller denn je sein würde…“, sagte Anja Joye, Frauenseelsorgerin der Region Eifel, bei der Eröffnung des 46. Frauentags im Bischöflichen Clara-Fey-Gymnasium in Schleiden.

Bereits vor neun Monaten nämlich, berichtete sie den rund 50 Teilnehmerinnen, habe die Vorbereitungsgruppe beschlossen, sich mit dem Thema „Vielfalt… und ich?“ zu beschäftigen. Das bedeutet auch: „Wie viel Buntheit möchte ich für mein Leben und wo habe ich persönliche Grenzen?“, sagte Joye. Es gehe also um das Spannungsfeld zwischen Vielfalt und Identität.

Eben das konnten die Eifeler Frauen in sechs Gruppen erfahren: „Ich lade Sie ein zum Atmen“, stellte etwa Anna- Marie Fischedick ihre Gruppe vor, die sich dem Thema mittels Atem- und Wahrnehmungsübungen nähern wollte. Gisela Preutenborbeck gab eine Einführung ins meditative Tanzen und Heike Klinkhammer ins kreative Schreiben. Ins „Literaturcafé“ lud Ursula Breitbach ein, und Uschi Grab präsentierte einen Film darüber, „wie unterschiedlich Menschen in die Welt hineinwachsen“, eine Dokumentation über vier Babys aus den USA, der Mongolei, Namibia und Japan, die von der Geburt an mit der Kamera begleitet wurden, bis sie laufen konnten.

„Wie fühle ich mich, wie werde ich wahrgenommen, wenn ich ein Kopftuch trage?“ Darauf hatten die zehn Frauen in der Gruppe von Baschira Reichling ganz unterschiedliche Antworten. „Mich erinnert das an meine Uroma“, sagte eine Teilnehmerin, „die hat bei der Feldarbeit immer ein Kopftuch getragen.“ Letztlich verbinde sie „Kopftuch“ mit „Landwirtschaft“. Eine andere Dame fühlte sich ebenfalls in die Kindheit zurückversetzt: „Jeden Morgen um vier Uhr hat unsere Mutter uns aus dem Bett geholt, um in die Kirche zu gehen, sie kam gerade aus dem Stall und trug ein Kopftuch. Das war immer Stress.“ Noch heute, ergänzte sie, fühle sie sofort „Stress“, wenn sie ein Kopftuch sehe. „Ich denke an meine Krebserkrankung, damals gingen mir die Haare aus“, berichtete eine weitere Dame.

Schnell wurde deutlich, dass die ganz eigenen Erfahrungen und Erinnerungen unbewusst mitschwingen, wenn man einer verschleierten Frau begegnet. Aber auch ganz praktische Erfahrungen mit dem Kopftuch-Tragen schilderten die Teilnehmerinnen, etwa: „Es ist schön warm hier“ oder „Ich kann nicht gut hören“. Baschira Reichling schaffte einen Raum, in dem „alles okay“ war und so alles gespürt und vieles ausgesprochen werden durfte. Eine Teilnehmerin berichtete, dass das Thema für sie gerade brandaktuell ist: „Meine Tochter ist vor Kurzem zum Islam konvertiert und trägt nun immer ein Kopftuch.“ Gleichzeitig, so merkten andere an, trügen ja auch katholische Nonnen Hauben, die einem Kopftuch ähneln. Was zu der Frage führte: „Können Haare Sünde sein?“ Diese Frage, das wurde schnell klar, konnte nicht eindeutig beantwortet werden. Aber das musste sie auch nicht. Wie auch in den anderen Gruppen gelang, was das Anliegen der Veranstalter war: Der Frauentag, der mit einer gemeinsamen Liturgie endete, gab Impulse. Er regte auf ganz unterschiedlichen Wegen dazu an, eigene Standpunkte, Vorstellungen und auch Grenzen auszuloten und sich darüber auszutauschen.


Von Alice  Gempfer

Veröffentlicht am 07.10.2015

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