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Nils Ponten, an paranoider Schizoprhenie erkrankt, veröffentlicht seinen zweiten Gedichtband

„Mit Finde-Flügeln“ lautet der Titel des neuen Gedichtbandes.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 45/2015

Schreiben dient als Lebenshilfe

Der an paranoider Schizophrenie erkrankte Nils Ponten legt seinen zweiten Lyrik-Band vor

Die „lichtlebigen Wortwälder“ des 28-jährigen Nils Ponten aus Schleiden faszinieren schon viele Leser. Der junge Mann, der aus Mützenich stammt und in Schleiden lebt, schreibt Gedichte. Über 150 sind schon entstanden.

„Wenn ich schreibe, dann schreibe ich meistens ein paar Tage lang hintereinander.“ Nils Ponten, der mit vollem Namen Nils Lukas Nelson Ponten heißt, ist im Alter von 16 Jahren an einer paranoiden Schizophrenie erkrankt. Seine Mutter Hedi animierte ihn dazu, seine Gedanken zu Papier zu bringen. 2012 begann er mit dem Schreiben. Ihm gehe es dadurch deutlich besser, sagt er, das Schreiben sei fortan zu einer wichtigen Lebenshilfe geworden.


In der Caritas-WG fühlt er sich gut aufgehoben

Im Alter von 22 Jahren zog Ponten von zu Hause aus. „Wir haben sehr viel Zeit gebraucht, um etwas Passendes für ihn zu finden, wo er sich zu Hause fühlen kann. Das war dann am Ende die Caritas in Schleiden“, erzählt seine Mutter Hedi. Nils zog in die Wohngemeinschaft (WG) der Caritas im Schleidener Burggarten ein. Seit zwei Jahren lebt er in der Schleidener Straße und fühlt sich dort wohl. An drei Wochentagen hilft er im Caritashaus beim Kochen für die Pflegestationen.

Hedi Ponten half ihrem Sohn auch, das, was er ohne Punkt und Komma aufschrieb, in eine lesbare Text-Form zu bringen. Die Endfassung stimmte Hedi Ponten, die sozialpädagogische Fachkraft und Mutter dreier leiblicher und zweier Pflegekinder ist, mit Nils ab. „Die Gedanken meines Sohnes sind nicht nur geistig eine Bereicherung, sondern berühren auch die Seele“, sagt die aktive Frau, die auch ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe tätig ist. „Ich bin mit seinen Gedanken mitgegangen. Ich konnte fühlen, was er fühlt“, fasst sie ihren Beitrag am literarischen Werk ihres Sohnes in Worte. Hedi Ponten fungiert als eine Art Lektorin und Managerin für den 28-Jährigen. Gemeinsam mit seiner Mutter nahm er im vergangenen Jahr an der „Lit.Eifel“ im Nettersheimer Naturschutzzentrum teil.

Als die erste Sammlung von Gedichten fertig war, schrieb Hedi Ponten mehrere Verlage an. Es kam keine Absage, alle wollten die Gedichte drucken. Die Wahl fiel dann auf den Münchener Literareon-Verlag. Das jüngste Buch erschien im Eigenverlag. Nach „Gedichte“ aus dem Jahr 2012 liegt nun der zweite Lyrikband „Mit Finde-Flügeln“ vor. Beide Werke gibt es für 10,80 Euro im Buchhandel.


Festivalbesucher lasen gebannt seine Gedichte

Auf die Frage, welches sein Lieblingsgedicht sei, sagt Nils: „Das wechselt.“ Eine Zeit lang war es „Der Morgen danach“, der demnächst in der Bibliothek deutschsprachiger Gedichte erscheint und auch im Buch aus dem Jahr 2015 zu finden ist. Jetzt erst richtig aktuell ist sein Gedicht „Flüchtlinge“, das ebenfalls im neuen Buch zu finden ist. Entstanden ist das Werk aber schon vor zwei Jahren.

Ein neuer, weiterer Gedichtband ist in Arbeit. „Wir machen auf jeden Fall weiter“, erklärt Hedi Ponten. Nils und und sie wollen sich aber zeitlich nicht unter Druck setzen lassen. Nils Ponten: „Kunst hatte in unserer Familie immer schon eine Bedeutung.“ In Bezug auf seine Erkrankung kommt es ihm entgegen, dass er bei seiner schöpferischen Arbeit an keinerlei Zeitplan gebunden ist. Beim Kunstfestival „Wir sind jung und brauchen das Geld“, das Anfang September in Schleiden stattfand, wurde „Gedichte“ von Nils Ponten per Beamer an die Fassade des Ateliers „Kulturschocks“ der Schleidener Künstlerin Maf Räderscheidt projiziert. Gut 100 Menschen standen gebannt auf der Straße und lasen seine Lyrik. Beim Festival trugen die Schauspieler Rosa Räderscheidt und Daniel Kröhnert aus seinem Werk vor.


Von Franz  Küpper

Veröffentlicht am 04.11.2015

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