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Der Kirchenschatz von St. Martinus Stetternich

Harald Goder zeigt die neu restaurierte und vergoldete Monstranz von St. Martinus Stetternich.

Vollbild

 
 

 

Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 28/2015

Vom Holzkreuz bis zum Goldkelch

Stetternichs Archivar Harald Goder gibt Einblicke in den Kirchenschatz von St. Martinus

Die im Dunkeln sieht man nicht… meistens wenigstens. Das gilt auch für Kirchenschätze. Harald Goder öffnet einmal für die KirchenZeitung die Tresore von St. Martinus Stetternich.

Ein sehr eigenes Lieblingsstück muss Goder, seit über 30 Jahren in Personalunion als Sekretär und Archivar für St. Martinus im Dienst, nicht aus der „Schatzkammer“ holen: Es ist ein altes Vortragekreuz aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, das die Stetternicher zur Prozession nutzen. Im „Ruhestand“ hat es einen Ehrenplatz an der Wand des Pfarrbüros. Holzkreuz und Korpus sieht man ihre Dienstzeit gut an. Ähnlich ist es mit dem Kölner Messbuch vom Anfang des 17. Jahrhunderts mit einer Widmung von Erzbischof Ferdinand. Hier atmet der ehrfurchtsvolle Betrachter den Hauch längst vergangener Tage: Ohne schmückenden Einband lässt sich erst im Aufblättern der Wert erkennen: Detailreiche, schöne Initialen schmücken dieses älteste Stück aus dem Schatz St. Martinus’.

Fast pompös kommt dagegen das ledergebundene Gegenstück daher, das nach lateinischer Widmung am 14. Juni anno 1826 Clemens August Freiherr von Wenge aus Wenge zur Hochzeit geschenkt wurde.  Wappenbeschläge des Schenkenden, Domkapitular Levin von Wenge, schmücken den vorderen Einband; auf der Rückseite ist das Wappen der Ehefrau aus der Familie von Eynatten angebracht.


Kelch als Geschenk der Zivilgemeinde

Fast ins Schwärmen gerät Goder und blättert, bis er „die schönste Seite“ findet: Das Blatt mit der großen Kreuzigungsszene als Auftakt zum Hochgebet. Auch wenn das „Wort“ von großer Bedeutung ist, finden sich natürlich nicht nur Bücher in den Tresoren von St. Martinus. Kelche, „mehr als wir gebrauchen“, Hostienschalen und Leuchter zaubert Goder aus seinen Schatzkammern. Darunter der Kelch aus dem Jahr 1881, den die Stetternicher Zivilgemeinde Friedrich Külpmann zum 25-jährigen Priesterjubiläum schenkte, wie eine Inschrift bezeugt. Ihn hebt der Priester bis heute immer, wenn Messe in St. Martinus gefeiert wird.  Jährlich für alle Gläubigen sichtbar ist auch das Reliquiar von 1924, das zum Fest der Kreuzerhöhung am 14. September ausgestellt wird. Die vier evangelistischen Symboltiere rahmen die Kreuzreliquie ein.


Über 300 Stücke im Kircheninventar

Übrigens bereits die zweite, die St. Martinus beherbergt: Die ursprüngliche Reliquie, ein Geschenk Mitte des 19. Jahrhunderts, war gestohlen worden, und der damalige Pfarrer hat sich mit Erfolg um eine neue Reliquie und ihr „Zeigegefäß“ bemüht. Nach dem Umfang der Inventarliste der Schätze von St. Martinus befragt, klärt Archivar Goder auf: „Sie umfasst alles von der Orgelbank über die Betstühle und Schellen bis zu den Glocken – da kommt man schnell auf weit über 300 Gegenstände.“ Nach der Fusion sind sie rein rechtlich in den Besitz der Großpfarre Heilig Geist Jülich übergegangen, aber: „Es ist pastorale Klugheit, den Schatz in der Kirche zu lassen.“


Von Dorothée Schenk

Veröffentlicht am 09.07.2015

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