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In der Eifel treten vor allem die

Bei den 56- bis 65-Jährigen ging die Zahl der Kirchenaustritte in der Eifel um fast zehn Prozent nach oben.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 43/2015

„Best Ager“ verlassen die Kirche

Neuer Trend in der Bistumsregion Eifel: Immer mehr 56- bis 65-jährige Katholiken treten aus

Dass immer mehr Leute der Kirche den Rücken kehren, ist keine neue Information. Nach Missbrauchsvorwürfen und dem Bauskandal im Bistum Limburg ist das auch in Kirchenkreisen keine wirkliche Überraschung.

Auch ist es eine mittlerweile alte, wenn auch nach wie vor unbequeme Jacke, dass immer mehr Menschen in Deutschland Kirchensteuern sparen wollen und deshalb gehen. Neu und unerwartet ist allerdings der Trend, dass der Anteil der 56- bis 65-Jährigen, die der Kirche den Rücken kehren, überproportional zunimmt. Ein Personenkreis, der keine oder bald keine Kirchensteuern mehr bezahlt.

 

Signifikanter Anstieg bei Christen im besten Alter

In der Aachener Bistumsregion Eifel sind 2014 insgesamt 349 Katholiken aus der Kirche ausgetreten – 123 mehr als 2013 und 108 mehr als 2010 auf dem Höhepunkt der Missbrauchskrise. Die absolute Zahl der Kirchenaustritte in Deutschland, also sowohl aus der katholischen als auch aus der evangelischen Kirche, hat sich seit 2012 auf 484061 fast verdoppelt. Während bei den meisten Altersgruppen die Austrittsquote in etwa gleich blieb, gab es einen signifikanten Anstieg bei den 56 bis 65 Jahre alten aus der Kirche ausgetretenen Christen. In der Region Eifel gingen die Zahlen um fast zehn Prozentpunkte nach oben. 2013 waren 11,5 Prozent der 295 ausgetretenen Katholiken zwischen 56 und 65 Jahren alt. Im vergangenen Jahr betrug der Anteil dieser Altersgruppe an den 349 Kirchenaustritten 21,3 Prozent. Dieser Trend zeichnet sich keineswegs nur in der Eifel, sondern auch in vielen anderen deutschen Bistümern ab, in denen es eine soziologische Statistik zu Kirchenaustritten gibt (was längst nicht überall der Fall ist). So äußerte sich Thomas Keßler, der Generalvikar des Bistums Würzburg, unlängst im Bayerischen Rundfunk zu möglichen Gründen.

 

Lebenskrisen und Strukturveränderungen

Die Franken vermuten neben „individuellen Lebenskrisen jenseits der 50“ auch die Umstrukturierungen im eigenen Bistum mit Wegfall von Ortsgemeinden als Austrittsgründe. Hinzu kämen „subjektive seelsorgerische Enttäuschungen“, eine Erfahrung, die auch Eifeldekan Erik Pühringer teilt: „Mit dem Tod der eigenen Eltern werden viele in dieser Altersgruppe erstmals nach langer Kirchenabstinenz wieder mit den Zuständen in ihrer Gemeinde konfrontiert, die sich radikal verändert haben. Und dann sind sie enttäuscht, wenn kein Priester für die Krankensalbung zu bekommen ist, und der Bestattungsritus vielleicht von einem Laien geleitet wird.“ Während es für das Bistum Aachen und damit auch für die Region Eifel (noch) keine belastbaren Zahlen zur Alters- und Geschlechtersoziologie der vergangenen Jahre gibt, können süddeutsche Diözesen die Entwicklung schon länger zurückverfolgen: Im Bistum Würzburg hat man festgestellt, dass 40 Prozent der ausgetretenen Frauen über 50 Jahre alt sind. In Bamberg ist der Austrittsanteil der Ü-50-Generation in zwei Jahren um 50 Prozent gestiegen. Das ist noch dramatischer als in der Eifel.

 

Innerlich vielleicht längst von Kirche abgewendet

Pfarrer Lothar Tillmann aus der von Eifeldekan Pühringer geleiteten GdG St. Barbara nennt einen weiteren Grund für den Anstieg der Kirchenaustritte von sogenannten „Best-Agern“, also Leuten im besten Alter: „Viele haben sich innerlich längst – vielleicht schon vor Jahrzehnten – von der Kirche abgewendet, und sind nur den Eltern zuliebe so lange wenigstens formell Mitglied geblieben.“ Erik Pühringer: „Die eigenen Kinder sind aus dem Haus, die Eltern sterben, die Midlifecrisis wird irgendwie überwunden – und das Leben wird neu geordnet. Da gehen manche Leute auch spirituell andere Wege.“ Der Löwenanteil der Kirchenaustritte in der Eifel fällt auf die 17- bis 35-Jährigen (26,1 Prozent, fast vier Prozentpunkte weniger als 2013) und auf die 46- bis 55 Jährigen (32,8 Prozent, 1,3 Prozentpunkte weniger). Bei den 36- bis 45-Jährigen sank der Anteil sogar von 18,4 auf 13 Prozent.

Von Felix Kern und Manfred Lang


Veröffentlicht am 21.10.2015

 
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