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Ausstellung in Gemünd (Eifel) zeigt das Leben der Roma

Von Armut in verfallenen Wohngegenden ohne Wasser, Kanalisation und Elektrizität zeugten die Fotografien in Gemünd sehr eindringlich.

Vollbild

 
 

 

Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 04/2014

Roma, das bedeutet Menschen

Eifeler Galeristin präsentierte Wanderausstellung des Bistums – Schwierige Lebensbedingungen

„Zigeuner“, hinter diesem Begriff verbergen sich viele Gemeinplätze. Mit „Roma Leben“ hatte die Gemünder Galeristin Marita Rauchberger eine Wanderausstellung des Bistums Aachen in ihre kleine Galerie „Eifel Kunst“ geholt, die auf breites Interesse gestoßen ist.

Spanischer Flamenco, ungarischer Geigenmusiker und malerische Idylle am flackernden Lagerfeuer: Das sind romantische Klischees, die mit der heutigen Wirklichkeit wenig gemein haben. Solche jovialen oder romantisierenden Stereotypen sind allerdings kaum besser als die, die sie verteufeln. Weit folgeschwerer wiegen dagegen die Vorurteile, die oft bedenkenlos geäußert werden: Zigeuner seien Landstreicher, wären schmutzig, würden betteln, stehlen und betrügen.

 

Umherziehen ist Folge der ständigen Vertreibung

„Das Bemühen um historische und moralische Genauigkeit, die vorurteilsfreie Herangehensweise an dieses viel- schichtige Thema sollte jedoch gerade in unseren Tagen ein wesentliches Anliegen sein“, ist die feste Überzeugung von Marita Rauchberger. Das Ziel der Ausstellung, Menschen für interkulturelle Unterschiede zu sensibilisieren und zu helfen, Vorurteile abzubauen, ist aus Sicht der Galeristin in sehr Hoffnung gebender Weise gelungen. In Europa leben aktuell etwa zehn Millionen Sinti und Roma, dokumentierten die Texttafeln und skizzierten darüber hinaus die Geschichte eines Volkes, das im 9. Jahrhundert aus dem indischen Raum über Persien, die Türkei und den Balkan nach Europa einwanderte und sich heute auf alle Kontinente verteilt.

Immer schon war das Umherziehen eine Folge fortwährender Vertreibung, die mit Beginn der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft dann einen neuen, bedrückenden Höhepunkt fand: Roma wurden entrechtet und ausgegrenzt, ihrer Lebensgrundlage beraubt, sie wurden systematisch erfasst und schließlich in die Vernichtungslager deportiert. Schätzungsweise eine halbe Million Roma wurden dabei europaweit ermordet.

Die Schwarz-Weiß-Fotografien an den Wänden der Eifeler Galerie spiegelten die Ambivalenz des Themas. Sie zeigten ein Volk, das seinen traditionellen Lebensstil, seine Gebräuche, sein jahrhundertelang gültiges Wertesystem bis heute bewahrt und seine kulturelle Eigenständigkeit nie aufgegeben hat. Sie erzählten von schönen und traurigen Momenten, von Argwohn und Vertrauen, von Ausgrenzung und Gastfreundlichkeit, von Familienzusammenhalt und Herzenswärme. Die Bemühungen und Schwierigkeiten der Integrationspolitik waren angedeutet und wurden von den Ausstellungsbesuchern lebhaft diskutiert, resümiert Rauchberger. Die Zukunft der Roma, die heute als Minderheiten in Europa leben, sieht eher düster aus. Sie sind besonders bedroht von hoher Arbeitslosigkeit, sozialer Not, Ablehnung und Unverständnis der Mehrheit. Ihnen bleibt der Arbeitsmarkt weitgehend verschlossen. Soziale Ausgrenzung ist die Folge. In vielen Ländern Europas leiden die Roma unter extrem schlechten Wohnbedingungen. „Am Beginn sollten Bildung und Erziehung stehen“, plädiert die Ausstellung für gleiche Entwicklungschancen für alle. Ebenso unverzichtbar sind das Verständnis füreinander, gegenseitige Achtung und Toleranz. Denn Diskriminierung beginnt mit der Geringschätzung Andersdenkender.

 

Sinti sind deutsche Staatsbürger

Auch die Sinti bezeichnen sich oberbegrifflich als Roma. Roma bedeutet „Menschen“. In Deutschland ist die Gruppe der Sinti seit etwa 600 Jahren beheimatet. Sie sind deutsche Staatsbürger. Der gleichnamige Kalender mit Fotografien zur Wanderausstellung „Roma Leben“ des Bistums Aachen ist in der Galerie, Schleidener Str. 1 erhältlich. Die Galerie ist freitags und sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet.


Von Claudia Hoffmann

Veröffentlicht am 24.01.2014

 
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