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An den tollen tagen zieht es den Jülicher Pastor Peter Jöcken ins Kloster

Karteipflege statt Narrenkappe: Peter Jöcken zieht sich an Karneval mit seinen Archivkästen zurück.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 06/2016

Nur jeck in Sitzungen

An den tollen Tagen zieht es Pastor Peter Jöcken ins Kloster

Peter Jöcken, Pastor der GdG Heilig Geist Jülich, besteigt mit seinen Schäfchen gerne das Narrenschiff in den Sitzungen. Wenn die Jecken aber lindwurmartig durch die Straßen ziehen, dann zieht es den Priester ins Exil.

Der Seelsorger in der Weggemeinschaft Jülich-Süd besucht in seinem „Sprengel" nicht weniger als fünf Karnevalsgesellschaften: Die Fidelen Brüder in Koslar, mit denen er seit fünf Jahren Mundartmesse feiert, dürfen sich ebenso wie die Fidelitas in Bourheim, die KG Blau-Weiß Kirchberg und die Strohmänner in Selgersdorf alljährlich auf seine Anwesenheit freuen. Bei der KG Ulk in Selgersdorf ist er sogar Senator, „zahlendes Mitglied", wie der Herr Pastor lachend erzählt.

Die Zeiten, in denen er in die Bütt steigt, sind allerdings vorbei. Mit der Gitarre unter dem Arm „entert" er gerne die Bühne und stimmt selbstverfasste Schunkellieder an. Unter rauschendem Applaus wird er dann von der Bühne entlassen, wie jetzt bei der Sitzung der katholischen Frauengemeinschaften in Kirchberg. Pfarrer Jöcken bedauert, dass er es noch nicht geschafft hat, mit Jülichs neuem Bürgermeister Axel Fuchs das eigens für ihn gedichtete Lied – auf die Melodie „Fuchs, Du hast die Gans gestohlen" – zu singen. „Wir haben uns leider auf den Veranstaltungen immer nur die Klinke in die Hand gegeben..."

 

Auszeit mit Cello und Schreibmaschine

Das klingt so, als sei der gebürtige Niederrheiner ein Freund des Karnevals. „Eigentlich bin ich ein sehr ernster und nachdenklicher Mensch", erklärt Jöcken. Die Teilnahme an den Sitzungen ist für ihn so etwas wie eine „seelsorgerische Pflicht", der er allerdings gerne nachkommt. „Ich bin für alle Dinge offen", sagt er. Kritisch sieht der 78-Jährige die halbseidenen Büttenreden. „Was ich nicht mag, sind Dinge unter der Gürtellinie oder wenn ein Redner nur über seine Frau herzieht." Dagegen schätzt er Wort- und Sprachwitz, wie er ihn bei Guido Cantz gehört hat. Kein Wunder, war das Schlusswort des Vollblut-Entertainers Cantz ein Koranvers, mit dem dieser für Toleranz in der „Nach-Köln-Zeit" warb. Das muss Jöcken, dem Mit-Initiator des christlich-islamischem Gesprächskreises, natürlich sehr gefallen.

Wer weiß, vielleicht findet das „Cantz-Wort" Eingang in die „Zettelsammlung" von Pfarrer Jöcken, der er sich an den tollen Tagen wieder widmet. Bis zu 100 Einträge hat er pro Stichwort etwa für Vorträge gesammelt. Erst wenige Artikel finden sich unter dem Stichwort „barmherzig" – vermutlich werden es am Jahresende etliche mehr sein.
Wenn er nach eigener Erkenntnis in der Woche vor Karneval „nicht mehr gebraucht" wird, nimmt er Schreibmaschine, seine drei Archivkästen, sein Cello und die Wanderschuhe und geht ins Kloster nach Kornelimünster. Da diese Tage vor allem dem Rückzug und nicht nur der Einkehr dienen, nennt er es lieber „Kloster auf Zeit" und nicht Exerzitien. Selbstverständlich feiert er die Gottesdienste mit und nimmt an den Gebetszeiten ab 6 Uhr morgens teil. Aber er freut sich auch darauf, in die Natur zu gehen und sich seiner Musik zu widmen. „Das kommt im normalen Alltag einfach zu kurz", sagt der Pastor von fünf Gemeinden.


Von Dorothée Schenk

Veröffentlicht am 03.02.2016

 
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