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Lehrer und Schüler des Bischöflichen Clara-Fey-Gymansiums Schleiden in Pankok-Ausstellung

Die Lehrer Jürgen Drewes (l.) und Christoph Leisten (r.) vom Schleidener Clara-Fey-Gymnasium mit den Schülern Emanuel Naß, Yvonne Hüpgen und Caroline Holdenried (v. l.) vor dem Otto-Pankok-Bild „Wiese mit Habicht“.

Vollbild

 
 

 

Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 49/2011

Kunst als religiöse Ausdrucksform

Bilder von Otto Pankok im Clara-Fey-Gymnasium - Schüler setzen sich mit dem Werk auseinander

„Das ist unser bislang ehrgeizigstes Projekt“, sagt Jürgen Drewes über die Otto-Pankok-Ausstellung im Bischöflichen Clara-Fey-Gymnasium in Schleiden.

In der Stimme des Deutsch- und Religionslehrers schwingt unüberhörbar Stolz mit: „Dass solche Bilder in einer Schule ausgestellt werden, ist einmalig.“

Einmalig ist auch, dass Arbeiten von Otto Pankok (1893 – 1966) in der Eifel in einer Doppelausstellung gezeigt werden: Im Forum Vogelsang – und eben im Pädagogischen Zentrum des Bischöflichen Clara Fey-Gymnasiums: 20 großformatige Kohlebilder, die vom Otto-Pankok-Museum in Hünxe/Niederrhein zur Verfügung gestellt wurden. Die Bilder sind von 1942 bis 1946 in der Eifel entstanden. In der Landschaft, in der Pankok als „entarterter Künstler“ mit seiner Familie Zuflucht vor den Nazis suchte.

 

Einmalige Ausstellung im Clara-Fey-Gynmnasium

Stark gemacht für die Ausstellung am Gymnasium haben sich Schulseelsorger Bruno Müller und die Pädagogen Christoph Leisten und Jürgen Drewes. Auf die Frage, warum man sich gerade für eine Pankok-Ausstellung entschieden hat, hat Leisten, der Deutsch und Philosophie unterrichtet, eine klare Antwort: „An unserer Schule setzen wir uns neben interkulturellen Fragestellungen auch mit den Zerrüttungen des 20. Jahrhunderts auseinander. Otto Pankok ist der einzigartige Ver-

treter einer Kunst, die sich bereits vor der Zeit des Nationalsozialismus für den Menschen in all seinen Facetten eingesetzt hat. Wie bei nur wenigen anderen Künstlern dieser Zeit stehen seine Werke – allen Widerständen und Anfeindungen zum Trotz – für das humane Miteinander.“

Die Schülerinnen und Schüler aus Schleiden haben sich fächerübergreifend mit den Bildern des Künstlers auseinandergesetzt. „Kunst kann auch Ausdruck von Religion sein“, sagt Jürgen Drewes.

Im Religionsunterricht sollten sich die Schüler ein Bild aussuchen und dann zu der Frage „Wo ist Gott auf dem Bild zu finden?“ Gedanken machen. „Je nach Perspektive ergibt sich eine Bewegung des Hin- und Herschwingens zwischen dem Bild und der eigenen Religiosität, dem eigenen Gottesbild. Es kommt die Frage auf, ob ich in dem Bild etwas finde, was mit mir selbst zu tun hat“, stellt Jürgen Drewes fest.

So hat sich die 17-jährige Schülerin Caroline Holdenried (Jahrgangsstufe 12) aus Heimbach-Hasenfeld ihre Gedanken zu dem Bild „Aufziehendes Gewitter“ niedergeschrieben. Der von Pankok düster gefertigten Zeichnung, in der sich ein Unwetter über einem schutzlos in der Landschaft stehenden Menschen zusammenbraut, gewinnt sie in ihrem Text positive Seiten ab: „Dieses grelle Licht mitten im Himmel lässt mein Gefühl von Einsamkeit in der Dunkelheit für einen Augenblick verschwinden.“

 

Wo ist Gott auf dem Bild zu finden?

„Ich sehe einen Weg. Einen Weg, der mich durch die Tiefen des Gebirges führt. Gott zeigt mir den Weg. Gott führt mich aus dem Dunkel und bewahrt mich vor den Gefahren der Natur.“ Und weiter heißt es: „Kann ich mich also einsam fühlen? Nein! Ich bin vielleicht allein, aber niemals einsam, denn Gott ist bei mir.“

Emanuel Naß (19) aus Blankenheim hat sich im Deutschunterricht Gedanken über das Bild „Wiese mit Habicht“ (1943) gemacht. Seinen Text hat er mit der Überschrift „Der letzte Tag meines Herzens“ versehen. Yvonne Hüpgen aus der Jahrgangsstufe 13 ließ sich dagegen von „Mond & Bäume“ zu einem Gedicht inspirieren. „Es ist ein dunkles Bild, aber ich konnte mich da sofort hineinversetzen“, sagt die 19-Jährige.

Wer sich für den Wortlaut der Texte interessiert: Auf der Homepage des Clara-Fey-Gymnasiums (www.cfg-schleiden. de) sind sie zu finden. Die Ausstellung im Clara Fey-Gymnasium endete am 23. November mit einem Vortrag von Franz-Josef Schümer, dem Bistumsbeauftragten für Sinti und Roma. Die Würde der Sinti und Roma nimmt in Pankoks Werk eine besondere Rolle ein. Im Forum Vogelsang ist die Otto Pankok-Ausstellung noch bis zum 15. März 2012 zu sehen.

 


Von Edgar Schnicke

Veröffentlicht am 03.12.2011

 
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