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Bei Aldenhoven wird eine einzigartige Ein-Mann-Kapelle restauriert

Mit sicherer Hand legt Meister Roland Gaffert das Wandbild frei.

Vollbild

 
 

 

Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 48/2015

Kreuzigung in der Räucherkammer

Auf der Burg Engelsdorf bei Aldenhoven restauriert Roland Gaffert eine einzigartige Ein-Mann-Kapelle

Durch die schlanken Fenster des Palas der Engelsdorfer Burg lugt das Herbstlicht, lässt im Dämmerlicht aber wenig erkennen. Nur in der hinteren Ecke des einstigen Burgsaales strahlt es. Eine raumhohe Plane gibt aber das Geheimnis dahinter nicht preis. Nur zu hören ist etwas: Luciano Pavarotti singt.

 Meister Roland Gaffert ist bei der Arbeit. Der Restaurator ist auf der Burg Engelsdorf bei Aldenhoven mit der Sicherung einer „Ein-Mann-Burgkapelle“ beschäftigt. „Das ist schon ziemlich einmalig“, sagt der Fachmann mit 35-jähriger Berufserfahrung. In dem rund ein Meter tiefen und zwei Meter langen Raum hat gerade einmal sein Gerüst Platz. Meister Gaffert steht auf der Plattform und fährt mit einem spachtelähnlichen Werkzeug Konturen auf der Wand nach. Der Betrachter muss einen Schritt zurücktreten, um zu erkennen, worum es sich handelt: Es ist eine mittelalterliche Kreuzigungsszene.

 

Wandmalerei weist auf alte Nutzung hin

„Es ist immer interessant, spätgotische Malereien unter der Tünche zu finden.“ Bislang sind nur der halbe Korpus Christi und die oberen Kreuzbalken zu erkennen. Allerdings steht jetzt schon fest: Was nicht erhalten ist, wird auch nicht wiederhergestellt. Es geht um die Sicherung der die Jahrhunderte überdauerten Kunst. Nur anhand dieses Wandbilds übrigens ist überhaupt eine Zuordnung des Raumes möglich gewesen. Die Burg geht bis ins 11. Jahrhundert zurück und war Stammsitz der Herren von Engelsdorf. Das Palantsche Wappen über dem Eingang des Palas verweist auf die späteren Eigner im 15. Jahrhundert, zu deren Familie auch der Aachener Propst Reynart von Palant gehörte.

Künstlerisch ist es die Zeit der Gotik, die sich in der Miniatur-Kapelle widerspiegelt. Neben der Malerei, deren Stil sich nur dem geübten Auge erschließt, legt das Fenster beredtes Zeugnis ab. Vom Burggraben aus ist es zu gut sehen: In den gleichförmigen hochrechteckigen Fensterreihen der Fassade fällt der typische Dreipass in dem Spitzbogen direkt auf. Das einzelne Kirchenfenster „en miniature“ durchbricht das Muster. Ursprünglich war der Andachtsraum Teil des Palas, des Burgsaales. Mit einer Türe oder einem Gitter wurde er vom übrigen Raum getrennt. So viel verraten die Vertiefungen im gemauerten Türbogen.  Wann diese Funktion aufgegeben wurde, ist unklar. Sicher ist nur, dass der Palas später als Küche diente und die Kapelle nicht mehr den himmlischen Ehren, sondern eher den irdischen Freuden diente.

 

Kapelle als Baudokument

„Es war eine Räucherkammer“, berichtet Gaffert. Um den Abzug zu gewährleisten, wurde das Kreuzgratgewölbe herausgehauen. Per Zufall waren die Endungen des Gewölbes 2014 bei Sanierungsarbeiten wiederentdeckt worden. Inzwischen ist es weitgehend wiederhergestellt. Der Fachmann wird die „Profilierung, wie man sie ablesen kann“, erneut sichtbar machen. Bei den erwähnten Sanierungsarbeiten war auch die Wandmalerei entdeckt worden – mit Kennerblick, denn Burgbesitzer ist seit 1989 das Künstler-Ehepaar Fernandez. Sie haben ihr Atelier in dem alten Gemäuer und kümmern sich gleichzeitig um die Erhaltung, Wiederherstellung und Pflege ihres Wohnsitzes. Neben den Zuschüssen aus der Denkmalpflege und Spenden investieren die Fernandez’ vieles aus eigener Tasche – und ihrer Schöpferkraft. Für das kleine „Kirchenfenster“ feilt Maria Fernandez derzeit an einem Entwurf. Bis dahin hat Roland Gaffert seine Arbeiten längst abgeschlossen. Etwa drei Wochen wird er noch beschäftigt sein, schätzt der Restaurator. Als Dokument der Burgbaugeschichte wird dieser Andachtsraum für die Nachwelt erhalten bleiben.


Von Dorothée Schenk

Veröffentlicht am 25.11.2015

 
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