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Spielerisch lernen Kinder beim Projekt „Haus der kleinen Forscher“ in Kreuzau experimentieren

Hochkonzentriert arbeiten Kinder und Erzieherin Martina Oepen Hand in Hand.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 19/2013

Aus blau und grün wird gelb

Spielerisch lernen Kinder beim Projekt „Haus der kleinen Forscher“ in Kreuzau experimentieren

Lukas hält die Lupe direkt vor sein Auge, als wolle er den Dingen bis auf den Grund gehen. In der Kindertagesstätte St. Heribert in Kreuzau bereiten sich Kinder und Einrichtung auf die Zertifizierung zum „Haus der jungen Forscher“ vor.

Was passiert, wenn ein Würfelzucker gefärbt und anschließend in Wasser gelegt wird? „Löslichkeit von Zucker, Farbvermischung“ heißt das Experiment auf Kurzformel gebracht. „Wo ich gar keine Farbe drauf getan habe, ist jetzt Farbe“, staunt Constantin, die Pipette mit der blauen Farbe noch in der Hand. Malou stippt mit dem Zeigefinger auf ihren Teller: „Mein grüner Würfelzucker sieht aus wie ein Haus.“
Völlig unbefangen gehen die vier Fünfjährigen – Lukas, Malou, Constantin und Hanna –  zu Werke. Das Forscherzimmer der katholischen Kindertagesstätte ist täglich geöffnet. Ohne Begleitung können hier allmorgendlich drei Kinder etwa am Wassertisch, Sandtisch oder mit Magneten ihrer Experimentierfreude freien Lauf lassen. Die Vorbereitungen übernimmt Martina Oepen, die die pädagogische Qualifizierung für das „Haus der kleinen Forscher“ hat.
Die Kinderpflegerin bereitet sich gerade auf ihre Prüfung zur Erzieherin vor. Gleichzeitig absolvierte sie imMärz 2012 die Ausbildung zur Trainerin für das „Haus der jungen Forscher“. Das heißt: Sie bietet nicht nur den Kindern in ihrer Einrichtung Experimente an, sondern schult auch Pädagogen und qualifiziert diese für die Projektarbeit in deren eigenen Einrichtungen.
Bei City Kids Düren hat Martina Oepen 2011 ihren ersten Workshop absolviert. „Die Kindergartenleitung hat gesagt: ,Experiment – das ist deins‘“, erzählt sie lachend. Im Team der Einrichtung habe jeder seine Aufgabe, so die Kinderpflegerin, und neben dem Messkreis sei sie für die Natur zuständig.
Während der Dienstzeit finden die Fortbildungen in Workshops statt. „15 Stunden muss man schon einrechnen, die man in der Einrichtung fehlt“, erzählt Martina Oepen. Das heißt, die Leitung muss die Mitarbeiterin freistellen. Ursprünglich war geplant, dass die Fortbildungen an Wochenenden stattfinden sollten. Aber das Projekt „Haus der kleinen Forscher“ ist dynamisch, was bedeutet, dass sich in den zwei Jahren, in denen Martina Oepen dabei ist, schon wieder einiges geändert hat.


Sieben Themen mit Variationen

So auch in der Dokumentationspflicht. Anfangs hieß es, dass sie 20 Experimente dokumentieren müsse und davon zwei ausführliche Dokumentationen inklusive Fotos mitschicken solle. Inzwischen sind es 16 Experimente und eine Dokumentation, die vorgelegt werden müssen. In diesem Prozess befindet sich die Kindertagesstätte St. Heribert.
Grundlage ist der „Forscherkoffer“, der nach jedem Workshop der Erzieherinnen mit einem neuen Schwerpunkt befüllt wird. So haben sie immer die Materialien und Abläufe griffbereit. Sieben Arbeitsfelder sind vorgegeben, die verschiedene Variationen beinhalten. In einem Logbuch werden die Experimente und die Ergebnisse vermerkt. Jeweils acht Kinder werden zu einer „Reihe“ eingeladen.
Das Angebot wird den 48 „Über-Mittags-Kindern“ gemacht, die sich zum Wochenanfang in eine Liste eintragen können.
Der Reiz für Martina Oepen liegt in der Unterstützung der Entdeckerfreude der Kinder. „Man muss den Kindern keine Erklärung und Begründung abgeben“, erklärt sie. Nur wenn tatsächlich Fragen gestellt werden, sind diese zu beantworten. „Nur eines von 20 Kindern fragt nach“, ist die Erfahrung der Fachfrau. Vielmehr soll die eigene Beobachtungsgabe gefördert werden. So bemerkt die fünfjährige Malou das Zusammenfließen der Farben im Wasser: „Blau und grün ergibt gelb, und alle Farben zusammen ergeben schwarz.“ Forschungsleiterin Oepen hört ihr aufmerksam zu, korrigiert die Nachwuchswissenschaftlerin aber nicht. Hanna bemerkt zur Löslich-keit von Zucker: „Der Zucker schmilzt.“ Martina Oepen fragt nur interessiert nach: „Warum tust du noch mehr Farbe drauf?“ Hanna guckt verlegen zur Seite: „Einfach so.“ Martina Oepen lacht: „Das dauert dir zu lange, wie?“


Zwischen 20 Minuten und zwei Tagen

Eine Forschereinheit ist in der Regel auf 15 bis 20 Minuten angelegt. Allerdings kann – wie in diesem Fall – das Experiment auch schon mal zwei Tage dauern. Denn noch während die Zuckerwürfelreste im Wasserbad vor sich hin bröckeln, stellen die Kinder die Teller auf die Fensterbank zum „Übernachten“. Am nächsten Tag sollen die Zuckerbilder fertig sein.
Nachdenklich meint Lukas: „Mein Zucker sieht aus wie ein Berg. Der hat sich ausgebreitet.“ „Wir gucken mal, was wir morgen vorfinden“, vertröstet ihn Martina Oepen. Abwarten muss Malou das Ergebnis nicht. Sie ist fest überzeugt: „Meins ergibt bestimmt was Cooles!“


Von Dorothée Schenk

Veröffentlicht am 11.05.2013

 
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