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Ausstellung

Christoph Böhnke (links) und Hermann-Victor Johnen mit dem Kunstwerk aus Scherben der Heilig-Geist-Kirche in Aachen.

Vollbild

 
 

 

Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 42/2015

Kaputtes erwacht zu neuem Leben

Ausstellung „Remembered Light“ zeigt Kunstwerke mit Scherben aus im Krieg zerstörten Kirchen

Für Christoph Böhnke, Leiter des Gästehauses im Kloster Steinfeld, hat die Ausstellung, die im Kreuzgang zu sehen ist, auch eine tief religiöse Aussage: „Alles, was kaputt war, erwacht zu neuem Leben, in diesem Fall in der Kunst. Darin sehe ich auch die Auferstehungsgeschichte“, sagt er.

„Kaputt“ waren in dem Fall deutsche, niederländische, belgische und französische Kirchen nach den Bombardements im Zweiten Weltkrieg. Sie säumten den Weg, den Reverend Frederick McDonald als Garnisonspriester in der US-Armee zurücklegte.

 

Aus jeder Stadt eine Handvoll Scherben

Der damals 36-Jährige war bewegt von den Bildern, die sich ihm boten. Die zerstörten Gotteshäuser berührten ihn besonders. In jeder Stadt steckte er eine Handvoll Scherben ein, insgesamt von 25 europäischen Kirchen und Kathedralen, darunter dem Kölner und dem Aachener Dom, der Liebfrauenkirche in Trier oder auch Gotteshäusern in Malmedy, Maastricht und Verdun. „Zu jeder dieser Kirchen schickte er einen Brief mit den Scherben und einer kurzen Erklärung an seine Mutter in Amerika“, berichtet Hermann-Victor Johnen.

Als elfjähriger Schüler kam Johnen 1966 ans Hermann-Josef-Kolleg. Jetzt hat er die Ausstellung „Remembered Light“, die auf diese Scherben zurückgeht, nach Steinfeld geholt. Hermann-Victor Johnen berichtet: „Nach dem Krieg bewahrte McDonald die Scherben in Kartons auf.“ Der Geistliche hatte einen Traum: Die Scherben sollten wieder Teil eines Kirchenfensters werden und so auch an die Schrecken des Krieges erinnern. Bereits 90-jährig, nahm er Kontakt zur Glaskünstlerin Armelle Le Roux auf. Die setzte das Kunstprojekt gemeinsam mit 13 internationalen Glaskünstlern um, 25 Werke entstanden so. In der Dauerausstellung „Remembered Light“ sind sie seitdem, versehen mit Texten des im Jahr 2002 verstorbenen Frederick McDonald, im „Presidio Park“ in San Francisco ausgestellt.

 

Hochwertige Kopien der Original-Kunstwerke

„Das imperial-kaiserliche, aber nun obdachlos wirkende Aachen, weit mehr als 1000 Jahre alt“, beschreibt Kaplan McDonald im Text zum Kunstwerk mit Scherben der Heilig-Geist-Kirche seine ersten Eindrücke in Aachen. Er berichtet: „Die neue Heilig-Geist-Kirche am Rande der Stadt hatte als Bühne für einen erbitterten Feuerkampf herhalten müssen, und eine Trambahn stand nun bei der verloren anmutenden Kirche. Weiter unten, in der Nähe des Doms, sah ich eine alte Frau zwei Koffer schleppen und dabei über Steinpfähle kriechen.“

Johnen hatte das Gesamtwerk eigentlich im Original nach Deutschland holen wollen, aber „die Amerikaner befürchteten, die Werke könnten als Beutekunst angesehen werden“, berichtet er. So kam er auf die Idee, hochwertige Kopien der Kunstwerke herstellen zu lassen. 2014 wurde „Remembered Light“ in Aachen gezeigt. Bei der Planung zur Feier seines 60. Geburtstags kam Johnen in Kontakt mit Böhnke. Schnell entstand die Idee, die Ausstellung auch dort zu präsentieren. Böhnke: „Wenn Geschichte auch so ein bisschen aufgearbeitet werden kann, ist das gut.“

Die Ausstellung ist noch bis Samstag, 7. November, täglich von 9 bis 17 Uhr im Kreuzgang des Klosters Steinfeld zu besichtigen. Der Eintritt ist frei.


Von Alice Gempfer

Veröffentlicht am 14.10.2015

 
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