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Porträt Pfarrer NOrbert Glasmacher aus Birgelen

Schon als Messdiener war für Norbert Glasmacher St. Peter in Birgelen katholische Heimat. Jetzt ist er als Pfarrer in die Heimat zurückgekehrt.

Vollbild

 
 

 

Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 50/2011

„Father Norberts“ neue Ansätze

Pfarrer Norbert Glasmacher führt erstmals in seiner 27-jährigen Dienstzeit eine deutsche Pfarrei

Begeistert von der Herzlichkeit, die ihm die Gläubigen der GdG Düren-Nord entgegen bringen, ist Pfarrer Norbert Glasmacher. 27 Jahre war er in den USA und Kanada, ehe er erstmals in Deutschland eine Pfarrei übernahm – mit Sitz in seinem Heimatort Birkesdorf.

Als etwas surreal empfindet der sympathische Endvierziger noch seinen Amtsantritt in St. Peter, wo er als Kommunionkind, Messdiener und Firmand am Altar stand. Auch den Bibelspruch: „Der Prophet gilt im eigenen Land nichts“ zitiert er schmunzelnd. Norbert Glasmacher ist seit vier Monaten wieder an seinem Geburtsort. Angekommen ist er wohl noch nicht ganz, dazu stürmen zu viel Arbeit und Neues auf ihn ein.

 

Kirche muss die Arme weit öffnen

Denken und Beten vollziehen sich bei Pfarrer Norbert Glasmacher noch im Englischen, und auch die Stimme hat noch den charmanten Klang eines amerikanischen Auswanderers. Seine Wurzeln, so erklärt er, hatte er eben seit seinem Studium in Nordamerika. Viele Unterschiede stellt der gebürtige Deutsche nach seiner Rückkehr fest. Natürlich gleichen sich die kirchlichen Strukturen, aber das religiöse Leben ist anders. Der gewachsenen Tradition in Deutschland stehe in Kanada der eher persönliche Bezug zum Christentum gegenüber. Dafür seien hier die Menschen sehr in ihren Gemeinden verwurzelt – in Kanada würden die Menschen auch eine halbe Stunde mit dem Auto –„bis nach Köln!“ – zum Messbesuch fahren. Während Kirche in Kanada auch ein soziales Netz biete, wo Menschen eine „große Familie finden“, gibt es in Deutschland durch Vereine und Gruppen soziale Strukturen, wo Menschen zusammenkämen. Das nehme aber ab, und da „müsste die Kirche ihre Arme weit öffnen und als Familie des Glaubens“ den Menschen aufnehmen. Die Kirche müsse zeigen, „dass sie auch gesellschaftlich etwas anzubieten hat“.

 

Kein Programm – auf die Menschen kommt es an

Überhaupt will der überzeugte Priester mehr die Werte der Kirche in den Vordergrund stellen: „Den Glauben wieder ins Bewusstsein zu rufen, zu erklären, vielleicht zum ersten Mal zu erklären und zu beschreiben, was der katholische Glaube wirklich zu bieten hat – und er hat viel zu bieten –, das ist eine langfristige Sache.“

Ein Programm hat Norbert Glasmacher dafür nicht. Er hält es nicht für sinnvoll, Programme „überzustülpen, ohne die Menschen zu kennen“. Daher ist – neben dem Pri-märgeschäft von Katechese bis Hochzeiten und Beerdigungen – der erste Wunsch, „Land und Leute“ kennenzulernen und die Strukturen zu entflechten. Zuerst wurde ein neuer Gottesdienstplan entworfen: Jetzt gibt es einen für alle acht Kirchen. „Das war ein großer Schritt,“ betont Pfarrer Glasmacher. Gelungen ist dies unter anderem durch eine bessere technische Ausstattung der Pfarrsekretärinnen mit Computern und Internet.

Derzeit ist er auf dem Weg durch alle Gemeinden. Nicht nur zu den Messfeiern, er will wissen, „was ihnen am Herzen liegt“, und dazu lässt er sich von Kirchenvorständlern und Pfarrgemeinderäten führen – „geografisch wie geistlich“. Er sucht die persönliche Beziehung zu „seinen Christen“. „Der Priester ist in einer speziellen Rolle, aber nicht von den Menschen abgesondert, sondern gehört im Gegenteil mitten hinein“, so das Credo von Pfarrer Glasmacher, der übrigens am liebsten „Father Norbert“ bliebe. Die Anrede, die ihm aus Kanada vertraut ist und für ihn sowohl respektvoll als auch persönlich ist. „Wenn die Liturgie sagt ,Brüder und Schwestern‘, dann sind das keine Floskeln. Das ist Wirklichkeit.“

Die funktionellen Begriffe wie Dienstgespräch, Hauptamtler oder Laie befremden ihn. Er bedauert, dass es nicht – wie in Kanada – vertrauter zugeht in der Kirche. „Die Kirche braucht aus meiner Sicht mehr Wärme und Vertrautheit, damit wird es persönlicher. Das ist ein Ansatz.“

 

 

Vita: Jetzt „Monsignore“

Norbert Glasmacher wurde am 23. August 1962 in Düren geboren und am 18. März 1989 in Peterborough/ Kanada zum Priester geweiht. 2002 bis 2004 war er Offizial bei der SCEO (Kongregation für die Orientalischen Kirchen) in Rom, anschließend bis 2010 Direktor des VEYO (Vocations, Evangelization and Youth Office) in Peterborough/Kanada. 2010 Rückkehr nach Deut- schland als Pfarradministrator an St. Lucia, Stolberg Seit 1. September 2011 Pfarradministrator in Düren und Leiter der GdG Düren-Nord. 3. Dezember 2011 Ernennungsurkunden zum Päpstlichen Ehrenkaplan, ein Titel mit dem der Papst besonders verdiente Geistliche würdigt. Bischof Nicola de Angelis (Peterborough/Kanada) hatte den Antrag gestellt.

 


Von Dorothée  Schenk

Veröffentlicht am 12.12.2011

 
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