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Kreuzwege bieten die Möglichkeit, den Leidensweg Christi mizugehen, Beispiele aus der Region Düren

Die „Römerfahrt“ wird in Nörvenich gepflegt.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 12/2016

Christi Leid als Aufruf zur Einkehr

Kreuzwege vermitteln als Inspiration auf unterschiedliche Art, den Weg Jesu in Gedanken mitzugehen

Mit Jesus dessen schweren Gang zum Kreuz mitgehen, innezuhalten und sich auf die wesentlichen Dinge zu konzentrieren – diese Gelegenheit bieten die Kreuzwege überall in der Region. Eine Suche nach außergewöhnlichen Orten, an denen Christen zur Ruhe und Einkehr kommen können.

Legendäre, traditionsreiche, aber auch eher unbekannte Orte der Stille laden im Kreis Düren zu Besinnung und Andacht ein. Eine der ältesten Formen des Kreuzwegs – den Gang zu den „Sieben Fußfällen“ – pflegt die GdG Nörvenich, seitdem Pfarrer Raphael Häckler sie 2008 erfolgreich wiederbelebt hat. Die sieben Stationen symbolisieren die sieben Hauptkirchen der Stadt Rom, wo sich in der Karwoche der päpstliche Stationsgottesdienst vollzieht. Daher stammt die zuweilen verwendete Bezeichnung „Römerfahrt“.



Das Kreuz für eine Station übernehmen

Zwischen den Stationen sucht sich der Pfarrer Teilnehmer aus, die mit ihm Textstellen lesen oder das Kreuz von einer Station zur nächsten tragen. Treffpunkt ist Palmsonntag an der Pfarrkirche St. Medardus in Nörvenich, wo das Missionskreuz als erste Station steht.  Wer dem Gefühl näher kommen will, Jesus auf seinem Weg zum Hügel Golgota zu folgen, kann sich auf die 14 Stationen des Kreuzwegs von Heimbach bis zum Kloster Mariawald begeben. Dabei begegnet den Pilgern auf dem anstrengenden, bergauf verlaufenden Weg eine idyllische Kulisse. Die ersten sieben Stationen sind in kleinen Kapellen im Ruppental untergebracht, die folgenden sind in der Klostermauer integriert.

Die Teilnehmer versammeln sich nach der Non, dem Stundengebet der Mönche, vor der Kirche von Mariawald und gehen dann gemeinsam schweigend nach Heimbach. Dort beginnt beim Gnadenbild in der Pfarrkirche der eigentliche Kreuzweg. Nach rund zwei Stunden findet dieser seinen Abschluss mit dem Segen des Abtes in der Klosterkirche.
Inspirierend wirkt dieser Gang im wahrsten Sinne. So fragten sich Viertklässler der Katholischen Grundschule Hambach nach einem Besuch des Kreuzwegs zwischen Heimbach und Mariawald als Kommunionvorbereitungsgruppe, warum es so etwas nicht auf der nahen Sophienhöhe gäbe. Im Religions- und Kunstunterricht erstellten sie Reliefs mit 14 Szenen des Kreuzwegs. Mit Hilfe der Rheinbraun AG und des Forschungszentrums Jülich entstanden daraus Metalltafeln, die im Jahr 2002 auf Findlinge montiert und auf der Sophienhöhe platziert wurden.

Eher im Verborgenen liegt ein Kreuzweg mit 14 Stationen auf der Schwedenschanze von Jülich-Broich, zu dem jedes Jahr eine schweigende Prozession an Gründonnerstag führt. In einem Waldstück sind gemauerte Häuschen kreisförmig angeordnet, darin Tontafeln mit den Szenen von Jesu Kreuzigung. Geschaffen wurden sie von Broicher Bürgern rund um ein Steinkreuz, dessen Sockel aus dem Jahr 1832 stammt. Das Kreuz selbst wurde nach dem Krieg von Pfarrer Johannes Niessen erneuert.



Der Krieg als „moderne“ Form des Leids

Thema des „Kreuzwegs des Friedens“, der 2013 in Nideggen-Schmidt eröffnet wurde, ist der Krieg. Er erinnert an „modernes“ Leid: die Schlacht im Hürtgenwald zwischen Oktober 1944 und Februar 1945. An der ersten von zehn Stationen erzählt ein amerikanischer Dokumentarfilm von den Kriegsereignissen in Schmidt und Umgebung. Der weitere Weg führt vom Splitterkreuz auf dem Kirchenvorplatz über eine Bunkeranlage, Panzerspuren, Deckungslöchern, ein amerikanisches Soldatengrab bis zu einem amerikanisch-deutschen Erinnerungsmal gegenüber der heutigen Sparkasse und legt so Zeugnis ab vom Grauen des Krieges.


Von Arne Schenk

Veröffentlicht am 16.03.2016

 
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