Internetportal der Regionen Düren und Eifel
http://internetportal-der-regionen-dueren-und-eifel.kibac.de/nachrichtenansicht?view=detail&id=fb266a82-ee3c-4e3a-849c-e975678e05ae
 
 
Das Trappistenkloster Mariawald in der Eifel bietet an, als Mönch auf Zeit eine Auszeit vom Alltag zu nehmen

Zutritt für Laien verboten: Das Refektorium, der Speisesaal der Mönche, befindet sich in der Klausur.

Vollbild

 
 

 

Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 08/2016

24 Stunden Schweigen im Kloster

Im Trappistenkloster Mariawald kann man als „Gastbruder“ eine Auszeit vom Alltag nehmen

Statt Handy, Radio, Internet oder Fernsehen acht Gebetszeiten und täglich eine heilige Messe: Als „Gastbruder“ in der Abtei Mariawald in Heimbach erlebt man einen Alltag, dessen Uhren nach anderen Regeln gehen.

3 Uhr in der Nacht. Der Wecker klingelt. Aus dem bescheidenen Zimmer im „Gästehaus“ geht es über einen Zugang zur Empore und eine Wendeltreppe hinab in die Kirche. Weihrauchgeruch. Im spärlichen Kerzenschein wirkt der Altarraum fast unwirklich. Ein Holzlettner trennt den für die Geistlichkeit reservierten Chorraum ab. Es ist Vigilien-Zeit. Vier der zehn Mönche des einzigen Trappistenklosters in Deutschland beten. Gegen die Dunkelheit, gegen die Nacht im mystischen Sinne. Sie werden es wie jeden Tag noch weitere sieben Mal tun: Um 4.15 Uhr zur Laudes zu Tagesbeginn, um 7 Uhr zur Prim, um 7.40 Uhr bei der heiligen Messe, nach dem Frühstück um 9.45 Uhr zur Terz, um 12 Uhr vor dem Mittagessen bei der Sext, um 14 Uhr zur Non, um 17 Uhr zur Vesper, um 19.15 Uhr zum Tagesabschluss, der Komplet. Als „Gastbruder“, der nur einen Tagesdurchlauf miterlebt, betritt man eine andere Welt.

Die Trappistenabtei von Mariawald wurde 1511 gegründet. Seit 1887, nach der Aufhebung des Klosters durch Napoleon 1795 und der zweiten Schließung im Zuge der Kulturkampfgesetze 1875, sind die Mönche nun zum dritten Male hier. Die Mariawalder Trappisten, ein Reformzweig der Zisterzienser, folgen „Strengerer Observanz“: In persönlicher Armut, Einsamkeit, Schweigen, Gebet und Arbeit führen sie ein ganz der Spiritualität und dem Glauben geweihtes Leben. Nichts ist wichtiger als das Gebet. „Das ist an manchen Tagen leicht, an manchen schwer. Ein dauernder Lernprozess.“ Seit 2006 ist der 52-jährige gebürtige Frankfurter Josef Vollberg Abt in Mariawald. Hier legte er 1992 die Ewige Profess ab. Sein Betriebswirtschaftsstudium hatte er abgebrochen. Er spürte, dass sein Leben eine Wendung nehmen sollte.

 

Ein ganz dem Glauben geweihtes Leben

Seit 2008 ist das Trappistenkloster zum alten Ritus in Liturgie und Klosterleben zurückgekehrt. Seitdem wenden sich die Mönche und die Gläubigen wieder dem im Tabernakel gegenwärtigen Christus zu. Die Liturgie ist wieder auf Latein. Und dann das Schweigen: Werden die Mönche dabei von den Hausgästen in der Gastbruderschaft gestört? „Nein“, stellt Abt Vollberg fest, „wir haben mit ihnen nur gute Erfahrungen gemacht“. Aber gibt es genügend andere, die den strengen Weg der Mönche für immer mitgehen wollen? Sechs der zehn Mönche in Mariawald sind älter als 75. Der Älteste ist 91.

„Es wäre schön, wenn wir zwölf wären. Eine Gemeinschaft, die zusammenhält“, das wünscht sich Abt Josef Vollberg. Einfach wird es nicht, den Wunsch zu erfüllen. Mathias W. aus Rees am Niederrhein ist zum Kurzbesuch in Mariawald. Er will vom Berufsstress und seiner Familie eine kurze Auszeit nehmen. „Das tut mir schon nach einem Tag gut“, sagt der 44-Jährige, der seinen vollen Namen nicht nennen möchte. Bei seinem Aufenthalt im Kloster hat er gespürt, was ihm in seinem Alltag fehlt. „Es ist die Achtsamkeit gegenüber mir selbst und anderen. Wenn ich das in meinem Leben zur Gewohnheit machen kann…“


Von Stefan  Lieser

Veröffentlicht am 17.02.2016

 
Test